England

Artikel 21 bis 40 von 181 gesamt

pro Seite

Seite:
  1. 1
  2. 2
  3. 3
  4. 4
  5. 5

Artikel 21 bis 40 von 181 gesamt

pro Seite

Seite:
  1. 1
  2. 2
  3. 3
  4. 4
  5. 5

Gin aus England

Die Geschichte des englischen Gins

Eine Geschichte des englischen Gins erzählen, das hieße gleichzeitig eigentlich auch, eine Geschichte des Gins allgemein zu erzählen, denn kein anderes Land ist so eng mit der Wacholderspirituose verbunden wie England. Natürlich gibt es auch in anderen Ländern wie Deutschland, Österreich und Italien durchaus die Tradition des Obstbrennens. Und natürlich wanderte da auch schon einmal eine Wacholderbeere mit hinein aber der Gin und auch die Tradition des Gin Tonics entstanden in England, wo bis heute noch gerne dem genannten Genuss gefrönt wird.

Nun wird der eine oder andere sagen: was ist mit den Niederlanden? Immerhin weiß man ja, dass dort bis heute der Genever getrunken wird, der als eine Art „Vorgänger“ des Gins gilt. Und in der Tat geht man heute davon aus, dass die Engländer das erste Mal in Holland in den Genuss eines Wacholderdestillats kamen, das mit anderen Ingredienzen wie Koriandersamen und Angelikawurzeln angereichert war. Damals unterstützte die britische Krone die protestantischen Holländer gegen die katholischen Spanier und da Krieg nicht nur Blutvergießen, sondern auch ein Zusammentreffen verschiedener Kulturen bedingt, kam es, dass die Engländer Gefallen am Jenever oder auch Genever fanden. Die Tatsache, dass Wilhelm von Oranien Nassau 1689 den englischen Thron bestieg, sollte diesen Trend noch weiter begünstigen, denn seine Steuerpolitik war klar darauf ausgerichtet gewesen, Produkte aus Frankreich (beispielsweise Cognac) hoch zu versteuern und den Genever wiederum als steuerfrei einzuführen.

Auch die günstigen Getreidepreise verhalfen Wacholderdestillaten in England zum Aufschwung und um die Aussprache des Zungenbrechers Genever zu vereinfachen, verkürzte man ihn kurzerhand zum „Gin“. Doch nicht nur das: der Gin war vor allem in den unteren Schichten zu einem Massenprodukt geworden, der an Mengen teilweise sogar den Verkauf und Genuss von Bier überstieg.

Natürlich war Alkohol damals jedoch beileibe noch nicht so hochwertig und die Folge waren Massenalkoholismus, Gewaltakte aufgrund übermäßigen Alkoholkonsums und schwere Krankheiten. Diese Zeit ging als „Gin Craze“ in die Geschichte ein und die Wacholderspirituose wurde als „mother’s ruin“ tituliert. Das ging sogar soweit, dass die Regierung sich verantwortlich fühlte und mit dem Gin Act von 1751 einschritt.

Die „Verwandlung“, die der Gin daraufhin vollzog, hätte nicht größer sein können, denn die Erlasse der Obrigkeiten und die Industrialisierung bedingten einen bemerkenswerten Qualitätszuwachs. London Dry Gins entstanden ebenso wie die süßeren Old Tom Gins und weckten nun auch die Neugier der oberen Gesellschaftsschichten: Gin wurde gesellschaftsfähig und zu einem beliebten Drink der Oberen Zehntausend.

Ganz besonderen Gefallen fanden auch die Gentlemen der britischen Royal Navy sowie britische Kolonialherren am Gin. Umso mehr, da findige Ärzte die nötige Dosis Vitamin C in einer Art „Gimlet“ mit Lime Juice servierten, um Skorbut vorzubeugen. Schnell merkte man auch, dass das bittere Tonic Water, das gegen Malaria helfen sollte, um Längen besser schmeckte, wenn es mit Gin eingenommen wurde. Gin wurde daraufhin so berühmt und beliebt wie nie.

Einen herben Qualitätsverlust bzw. Ansehensverlust hatte der Gin erst dann einzustecken, als in Amerika die Prohibition ausgerufen wurde und damit sämtlicher Alkohol verboten wurde. Dies führte auch in England zu Schmuggel- und Panschversuchen (Smugglers Strength Gin erinnert bis heute daran). Die legendären „Bathtub“ Gins entstanden, deren minderwertiger Alkohol in Badewannen und ähnlichen Behältnissen entstanden. Professor Cornelius Ampleforths Bathtub Gin nimmt auf diese Gins scherzhaft namentlich Bezug, wenn er auch natürlich als mehrfacher Award- und Medaillen-Gewinner deutlich schmackhafter und bekömmlicher ist.

Diese Ansehensverluste der 20er und 30er Jahre führten denn auch dazu, dass der Vodka dem Gin den Rang ablief und kunterbunte Cocktails auf den Barkarten Einzug hielten. In den letzten Jahren/ Jahrzehnten jedoch bemerkte man die vielseitigen Möglichkeiten, die sich mit Gin auftun und seine Beliebtheit ist seither ungebrochen. Große London Dry Klassiker, extravagante New Western Kreationen und aromatische Sloe Gins – Gin ist endlich wieder in!

Wie schmecken englische Gins?

Natürlich ist es immer schwierig, den Gin Reichtum eines ganzen Landes, noch dazu wenn es sich um das Gin Land schlechthin handelt, geschmacklich zusammenzufassen und auf einen Nenner zu bringen. Doch natürlich darf man immer gerne Tendenzen verraten. So ist es beispielsweise nicht verwunderlich, dass in England die großen Klassiker beheimatet sind. Das heißt: London Dry, trocken, mit einer delikaten Betonung auf Wacholderbeeren und einem Hauch Zitrus. Wir sagen nur Bombay Sapphire, Hayman’s, ehemals Tanqueray (heute wird in Schottland destilliert, doch die Wurzeln und die Rezeptur gehen auf den Londoner Stadtteil Bloomsbury zurück), Finsbury und auch Gordon’s, nur um einmal die ganz großen Bestseller genannt zu haben.

Doch nicht nur diese, sondern auch feine Kleinstdestillierien sind in England beheimatet und verraten eine liebevolle Art der Herstellung und eine sorgfältige Auswahl der Botanicals. Von Orris und Zimt über Koriander und Angelika sowie natürlich einer breiten Palette an Zitrusfrüchten und feinen Kräutern und Blüten aus der Heimat. Bekannte und beliebte Marken wären hier auch Beefeater und Mayfair, Berkeley Square und Sipsmith, Burleighs, Boodles und Chase sowie Brokers Gin.

In England besitzt neben London Drys auch der Sloe Gin Likör eine große Tradition und so führen viele Häuser eine Variante des legendären Schlehenlikörs, der weniger süß und dafür mit einer delikaten Bittermandelnote ausgestattet ist. Plymouth führt beispielsweise einen solchen und auch Sipsmith sowie Haymans und viele mehr.

Old Toms gelten neben den London Dry Gins als „Urgesteine“ der englischen Gin Welt und begeistern dank einem süßeren, gefälligeren Geschmacksbild, das im 19. Jahrhundert großen Anklang fand. Das übrigens auch in der Cocktail Welt. Und so begeistern seit neuestem wieder spannende Abfüllungen wie Boths Old Tom und natürlich Varianten von Tanqueray und Co. mit diesen so urbritischen Gins und sorgen in der Barwelt für „Vintage Flair“.

Neben großen Traditionalisten gibt es aber natürlich auch in England eine ganze Reihe an spannenden New Western Destillaten, wie beispielsweise die Kreationen von Mombasa und Geranium Gin oder die zarten Kirschblüten des Jinzu Gins. Sacred Gin führt Weihrauch in der Botanical Liste und The London Gin begeistert dank seiner zartblauen Farbe. Bulldog, Brockmans und The Botanicals Gins sind nur einige, die wir hier nennen.

England weiß übrigens auch „südländischen“ Flair zu verbreiten, indem es mit Pimm’s einen Aperitif auf Ginbasis kreierte, der gerade im Sommer eine tolle Erfrischung verspricht.